Motorschiffe
Das Jahr 1902 markierte einen Wendepunkt in der isländischen Fischereigeschichte, als die Geschäftsleute Árni Gíslason und Sophus Nielsen in Ísafjörður ihren Sechsruderer „Stanley“ mit einem Motor ausstatteten und somit die Isländer erstmals ein motorisiertes Boot zum Fischfang einsetzten. Zu Beginn der ersten Saison „Stanleys“ in Bolungarvík im Winter 1903 stieß diese Innovation auf große Skepsis, da man fürchtete, dass das Motorengeräusch die Fische verscheuchen könnte. Das war nicht der Fall, und „Stanley“ brachte gute Erträge. Innerhalb weniger Jahre zogen die meisten Reeder nach. Der Bootsbestand nahm zu und die Siedlungsstruktur veränderte sich im ersten Jahrzehnt nach Einführung des Bootsmotors signifikant. Viele Leute zogen von den weit verstreuten Einzelgehöften und Küstendörfern der Ruderboot-Ära in die sprunghaft anwachsenden Ortschaften, die über Hafenanlagen für die Motorboote und Dienstleistungsbetriebe für die Fischerei verfügten.
Zusatzinfo
Schon bald nahm man größere Boote mit stärkeren Motoren in Betrieb. In Ísafjörður war die komplette Infrastruktur für die Fischerei vorhanden: ein sicherer Hafen, Landungsstege, Kaufleute, die den Fisch zur Verarbeitung ankauften und Kraftstoff, Salz, Haken und Leinen verkauften. Es gab viele gute Schiffsbauer im Ort und eine Motorenwerkstatt, eine der ersten in Island.
Die meisten Besatzungsmitglieder auf den Fischereifahrzeugen kamen aus Ísafjörður, aber auch aus anderen Siedlungen am Djúp. Im Vergleich zu ihren gewohnten Ruderbooten, kleineren Motorbooten und Schonern fühlten sie sich jetzt wie auf Hochseeschiffen. Die Kapitäne waren meist jung und ehrgeizig, während die älteren Seeleute an den kleineren Booten festhielten. Obwohl die Männer harte Arbeit kannten, stellten die Anforderungen auf den Fangfahrten jetzt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Wenn gut gefischt wurde, erwischte man vielleicht gerade einmal ein bis zwei Stunden Schlaf während der Bojenwache. Nach dem letzten Einholen der Leinen musste auf der Heimfahrt der Fisch geköpft, ausgenommen und filetiert und gleich bei der Ankunft im Hafen angelandet werden.