Der Fischer-Bauer
Ruderboot und Fanggerät waren der Schlüssel zum (Über-)Leben in den Westfjorden. Im Herbst wurde fast von jedem Hof aus Fischfang betrieben, im Winter und bis ins Frühjahr hinein von den Fischereistationen aus. Diese befanden sich meist zum offenen Meer hin, von wo es nicht weit in ergiebige Fischgründe war. Dort verbrachte man mehrere Wochen, bestückte die Leinen mit Ködern, ruderte hinaus und verarbeitete hinterher den Fang. Am Ende der Fangperiode wurde abgerechnet. Der Bootsführer und seine Männer bekamen ihren Anteil und tauschten ihn beim Kaufmann, wo der Fisch gewogen und beurteilt wurde, gegen Waren ein. Wetter und Fangmenge bestimmten, ob der Bauer mit vollen oder leeren Händen zurückkehrte. Ob der Pächter sich weiter abrackern durfte oder aufgeben und seine Familie auflösen musste. Ob der Knecht sich seinen Traum erfüllen, heiraten und eine Familie gründen konnte: Das Schicksal hing vom Verlauf der Fangsaison ab. Früher waren die meisten Bauern in den Westfjorden und in ganz Island Pächter und mussten dementsprechend entweder dem König, der Kirche oder dem Großgrundbesitzer Pacht für Land und Vieh zahlen und sich zur Arbeit verpflichten. Obwohl die Landbesitzer den meisten Gewinn einstrichen, konnte sich das einfache Volk über Wasser halten, manchmal sogar mehr recht als schlecht.
Zusatzinfo
Auf den Fischfang ist kein Verlass, hieß es früher. Dennoch waren Fischfang und Fischverarbeitung für die Menschen in den Westfjorden der beste Weg, ihr Auskommen zu verbessern. Das Vieh lieferte Nahrung und Wolle für Kleidung, aber der Fisch war die Hauptexportware. Wenn die Fangmengen und Handelskonditionen stimmten, konnte man den Ertrag seiner Arbeit beträchtlich steigern. Die Leute ließen sich an der Küste nieder, gründeten Familien und arbeiteten für die Bauern an Land und auf See. Nicht ohne Grund saßen in vergangenen Jahrhunderten die reichsten und einflussreichsten Männer in Westisland und in den Westfjorden, wo die Fischereierträge am höchsten waren. Der Fischer-Bauer, der die winterliche Fangsaison mit seinen Knechten und Pächtern in der Fischereistation verbrachte, bezog daraus seinen Lebensunterhalt. Getrockneter oder gesalzener Dorsch ließ sich beim Kaufmann eintauschen gegen Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Luxusgüter wie Leinen, Kaffee und Tabak.