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Handel im 19. Jahrhundert: Freiheit und Fortschritt

Ísafjörður profitierte von der zunehmenden Handelsfreiheit und Konkurrenz im 19. Jahrhundert und wurde zum wirtschaftlichen und administrativen Zentrum der Westfjorde. Dank des Einsatzes von Segelschiffen in der Fischerei, verbesserter Handelsbedingungen und wachsenden Exports von Haitran und Salzfisch, den beiden wertvollsten Produkten, stieg es zu einem der wichtigsten Handelsorte Islands auf, mit direkten Schiffsverbindungen nach Kopenhagen und in andere europäische Städte. Das Handelsgeschäft Ásgeirsverslun war die mit Abstand größte Firma in den Westfjorden, sowohl in Bezug auf den Handel als auch auf die Fischerei, aber es gab auch große Handelsunternehmen in Hæstakaupstaður und Miðkaupstaður.

 

Zusatzinfo

Ásgeirsverslun war von 1880 bis 1918 das größte Unternehmen in Ísafjörður und umfasste eine Seglerreederei, Salzfischverarbeitung, Im- und Export, Werkstätten, Geschäfte und eine Bäckerei. Ásgeir Ásgeirsson sen. leitete die Firma mit starker Hand. Drei bis vier Segelschiffe wurden in der Hai- und Dorschfischerei eingesetzt, eine große Brigg namens „S. Louise“ segelte mit dem Salzfisch ins Mittelmeer und brachte von dort Waren zurück. Angesichts der zunehmenden Expansion verlagerte Ásgeir seinen Wohnsitz nach Kopenhagen und führte die Geschäfte von dort aus. Nach seinem Tod 1877 brachte sein Sohn Ásgeir G. Ásgeirsson bzw. Ásgeir jun. frischen Wind in die Firma. 

 

Ásgeirsverslun befand sich anfangs in Miðkaupstaður, kaufte dann aber 1883 Neðstakaupstaður, wodurch das Unternehmen große Flächen zum Trocknen des Salzfisches, Gebäude für dessen Lagerung sowie einen Landungssteg hinzugewann, der sehr bald vergrößert wurde. Damit begann die Blüte des Unternehmens, das zu seiner Zeit sogar das größte Islands war. Außer dem Hauptsitz in Ísafjörður hatte Ásgeirsverslun eine Reihe von Filialen, u.a. für die Annahme von Fisch und für den Verkauf von Salz. Auf diese Weise sicherte man sich in der ganzen Region den Fisch von Kleinfischern in Ruderbooten. Ein kleines Dampfschiff, „Ásgeir litli“ (Ásgeir der Kleine), verkehrte zwischen den Filialen und transportierte Personen und Waren. Ein zweites Dampfschiff, „Á. Ásgeirsson“ (bzw. Ásgeir der Große), wurde 1893 angeschafft für den Warentransport zwischen Island und Europa. Es war das erste international verkehrende Dampfschiff in isländischem Besitz. Zu den Neuerungen gehörte außerdem die Verlegung von Schienen: in Neðstakaupstaður zwischen dem Landungssteg durch das Turmhaus hindurch zu den Fischtrockenplätzen, zu allen Lagerhäusern und bis nach Miðkaupstaður. Darüber hinaus wurde eine Telefonleitung vom Faktorshaus in Neðsti, dem Wohnhaus des Geschäftsleiters Árni Jónsson, bis zum Hauptbüro in der Aðalstræti gelegt: die erste Telefonverbindung überhaupt in Island.

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