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Ruderboote

Für die Bewohner der Westfjorde war der Fischfang neben der Nutzung der natürlichen Ressourcen, die die Vogelfelsen, die Gezeitenküste und das Meer sonst boten, der wichtigste Erwerbszweig. Landesnatur und Klima setzten der Landwirtschaft enge Grenzen, die Viehhaltung beschränkte sich meist auf ein paar Schafe und ein bis zwei Kühe. Deshalb ging fast jeder Bauer im Frühjahr und im Herbst zusätzlich auf Fischfang, und entsprechend wichtig war es, ein gutes Ruderboot zu besitzen.

 

So entstanden an geeigneten Plätzen an der Küste, wo man mit den Booten gut anlanden konnte, und oft an Landspitzen, von wo aus man nicht weit rudern musste, um zu ergiebigen Fischgründen zu gelangen, einfache Fischersiedlungen, in denen Bauern und Knechte vom Spätherbst bis zum elften Mai hausten. Nur für die Weihnachtszeit von Advent bis Neujahr kehrten sie in der Regel auf den Hof zurück. Zum Fischen benutzte man ursprünglich eine Schnur mit Haken und Senkblei, was im Laufe der Zeit weiterentwickelt wurde zu einer Leine mit vielen Haken, die mit Senkblei und Schwimmern im Meer ausgelegt und nach einigen Stunden mit der Hand eingeholt wurde. Großbauern am Ísafjarðardjúp fuhren den größten Teil des Jahres von Bolungarvík aus auf Fischfang und bemannten ihre Boote mit Pächtern und Knechten.

 

Zusatzinfo

Ganz früher wurde der Fang in steingeschichteten Hütten getrocknet, später filetiert und gesalzen für den Export. Weniger Wertvolles wie Seewolf oder kleine Dorsche durften die Seeleute zum eigenen Gebrauch trocknen oder salzen. Der beste Fisch hingegen wurde im Laden gegen Dinge wie Getreide, Kaffee und Angelzeug eingetauscht. Bei ergiebiger Ausbeute konnte man gut vom Fisch leben.

 

Die Fischer wohnten in Hütten, in denen sich meist zwei Männer eine Liegestatt teilten. Jeder brachte seine eigene Proviantkiste mit Trockenfisch, Fleisch und Fett, Talg und Butter mit. Doch beim Fischen selbst hatte man nur Molke zu trinken, aber nichts zu essen dabei, obwohl eine Ausfahrt acht bis sechzehn Stunden dauern konnte, je nachdem, wie weit man hinausrudern musste.

 

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rückte der Haifischfang in den Vordergrund. Der Tran, der aus der gekochten Leber des Hais gewonnen wurde, diente als Brennstoff für die Straßenbeleuchtung der europäischen Städte und erwirtschaftete die anteilig höchsten Exporteinnahmen Islands. Für den Haifischfang wurden die größten Ruderboote, mindestens Sechsruderer, eingesetzt. Später dann, mit den ersten Segelschiffen, ließen sich die Fangfahrten auf mehrere Tage ausdehnen. 

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