Handel und Wirtschaft im 20. Jahrhundert
Dank der zunehmenden Kaufkraft der wachsenden Bevölkerung florierten Handel und Wirtschaft in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts und die Angebotsbreite nahm zu. Eine Vielzahl von Geschäften, die Stoffe, Geschenkartikel oder Bücher verkauften, wurde in den Siedlungen der Westfjorde gegründet; Goldschmiede, Schuster und Bäcker ließen sich nieder. In Ísafjörður konzentrierten sich die Läden und Dienstleistungen in Hafnarstræti (Hafenstraße) und Aðalstræti (Hauptstraße) sowie den anliegenden Straßen. Die alten Kolonialwarenhandlungen, wo man mehr oder weniger alles hatte kriegen können, verschwanden nach 1918. An ihre Stelle traten Konsumgenossenschaften, die meist das größte Geschäft am Ort betrieben, oft in Konkurrenz zu den Kaufmannsläden, von denen sich in Ísafjörður das Björnsbúð am längsten hielt. Heute haben hier die Supermarktketten Samkaup und Bónus je eine Filiale, und Ísafjörður verfügt immer noch über eine lebendige Innenstadt.
Zusatzinfo:
Banken und Sparkassen hatten entscheidenden Anteil an der Entwicklung der isländischen Wirtschaft. Zwar gab es seit 1886 die Landsbanki, doch erst nach Gründung der Íslandsbanki 1904 mithilfe ausländischer Aktionäre hatten Isländer die Möglichkeit, Kredite für Investitionen aufzunehmen. Die Íslandsbanki eröffnete sofort eine Filiale in Ísafjörður, und im selben Jahr übernahm die Landsbanki eine Sparkasse am Ort, die zwei Jahrzehnte bestanden hatte. Der zeitgleiche Aufbau der motorisierten Schiffsflotte revolutionierte die Fischerei. Die Banken gaben den Schiffseignern, Salzfischproduzenten und Heringsspekulanten finanziellen Rückhalt. Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs ging es in Handel und Wirtschaft beständig aufwärts.
Eine Reihe von Fachgeschäften eröffnete in Ísafjörður um 1900. Steigende Einwohnerzahlen und höhere Kaufkraft brachten den Handel zum Blühen. Handwerker aller Art boten ihre Dienste und Erzeugnisse an, von Goldschmied und Schneider bis hin zu Schuster und Friseur. Buchhandlungen und Bäckereien, Stoff- und Bekleidungsgeschäfte, Apotheken und Haushaltswarenläden reihten sich in der Hafnarstræti und Aðalstræti aneinander, und gleich um die Ecke konnte man Geschenkartikel, Elektrogeräte, Farbe und Milch kaufen. Die Geschäfte kamen und gingen mit wechselnden Moden und Bedürfnissen.
1920 wurde in Ísafjörður der örtliche Konsum, Kaupfélag Ísfirðinga, gegründet. Die Genossenschaft wuchs und gedieh und wurde in den 30er Jahren das größte Geschäft im Handelsort. Sie erwarb Gebäude, Fischtrockenflächen und die Landungsstege des Handelsgeschäfts Edinborg und begann Salzfisch zu produzieren sowie in Reykjanes am Djúp Gemüse in einem neu errichteten Treibhaus anzubauen. 1958 eröffnete die Konsumgenossenschaft in Ísafjörður den ersten Supermarkt der Westfjorde. Daneben gab es aber immer noch eine große Vielfalt an anderen Geschäften.