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Landverkehr

Unwegsame Hochebenen und felsige Küsten eignen sich schlecht zum Reiten, und es hat in den Westfjorden auch nie besonders viele Reitpferde gegeben. Leute, die kein Boot besaßen, gingen zu Fuß am Meer entlang und über die Hochebenen. Erst im 19. Jahrhundert konnten mit finanzieller Unterstützung von Staat und Bezirk erste Wege zwischen den Siedlungen angelegt werden. Bauern und Arbeiter räumten mit einfachsten Werkzeugen Felsen beiseite und pflasterten Pfade durch mooriges Gelände. Mit den ersten Autos zu Beginn des 20. Jahrhunderts fing man an, von den Siedlungskernen ausgehend die Wege befahrbar zu machen. Doch erst als mit der Besatzung im Zweiten Weltkrieg ab 1940 auch Bagger nach Island gelangten, machte der Straßenbau ernsthafte Fortschritte. 1959 konnte man erstmals mit dem Auto von Ísafjörður nach Reykjavík fahren. Seitdem wird das Straßensystem ständig ausgebaut und verbessert. Fjorde werden gequert, neue Trassen über die Hochebenen erschlossen, Tunnel gebohrt, Straßen geteert und erneuert, um die Verbindungen innerhalb der Westfjorde modernen Standards anzupassen und den Anschluss an die Ringstraße 1 zu gewährleisten.

 

Zusatzinfo

Denken wir uns hundert Jahre zurück. Es gibt noch keine Autos in Island, kein Telefon, keine Flugzeuge, keine Straßen, keine Tunnel. Die ersten motorbetriebenen Boote kommen einer Revolution gleich. Alle Reisen über Land werden noch zu Fuß oder zu Pferd unternommen. Mit Ruder- und Segelboot ist man auf Muskel- und Windkraft angewiesen. Kaum noch vorstellbar für uns heute ist das Ausgeliefertsein damals an Kälte und Nässe. Es gab keine richtige Regenkleidung, nicht einmal Gummistiefel. Die Menschen bekamen ständig nasse Füße, ob sie nur eben die Kühe von der Weide holten oder auf langen Märschen Flüsse furten mussten. „Von Beginn der Schneeschmelze im Frühjahr bis zum Beginn der Frostperiode im Herbst gehörte es zu den Ausnahmen, wenn Jugendliche, vor allem Jungen, einmal einen ganzen Tag lang trockene Füße hatten. Während der ganzen Zeit des Heumachens, acht bis zehn Wochen lang, standen die Männer und Frauen [in den sumpfigen Buckelwiesen] fast immer im Feuchten. Nasskalt war es auch für diejenigen, die im Frühling und Herbst draußen arbeiteten: Wenn es regnete, waren die Leute durchweicht vom Scheitel bis zum Sohle.“ (Jóhann Bárðarson: Áraskip. Rvík 1964, 81).

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