Trawler
Die industrielle Revolution in Island hielt mit den Motorbooten und Trawlern Einzug. Die Trawlerreederei war kostenintensiv, so dass sich meist ehemalige Schonereigner und Kapitäne zu Aktiengesellschaften zusammenschlossen. Der ganzjährige Fischfang mit Trawlern warf ein Vielfaches dessen ab, was mit bisherigen Methoden möglich gewesen war. Grundfischarten wie Dorsch oder Schellfisch verkaufte man im Herbst in Eis gekühlt in ausländischen Häfen, im Winter salzte man den Fisch auf hoher See und verarbeitete ihn an Land weiter und im Sommer ging man auf Heringsfang. Die isländische Trawlerfischerei wurde nach 1905 in Reykjavík und Hafnarfjörður aufgebaut und etablierte sich nach 1924 auch in Ísafjörður und Patreksfjörður.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt zwischen 1947 und 1950 eine neue Generation von Trawlern Einzug in Island. Die meisten von ihnen gehörten kommunalen Reedereien oder Aktiengesellschaften mit kommunaler Beteiligung. Die Trawler „Ísborg“ und „Sólborg“ gehörten der Aktiengesellschaft Ísfirðingur, an der Privatleute und die Stadt Ísafjörður Anteile hielten. Mit den Hecktrawlern begann ein neues Kapitel in der Geschichte der isländischen Fischerei. 1974 gab es insgesamt 54 Hecktrawler in Island; auf dem Höhepunkt waren es über hundert. In jedem Fischerdorf waren sie zu finden. Gleichzeitig wurden überall im Land Gefrierhäuser errichtet.
Zusatzinfo
Die Bedingungen an Bord der Trawler waren in jeder Hinsicht wesentlich besser als auf den Seglern. Es gab täglich Fleisch und genügend Brot und Tee. Man übernahm sogar die britische Trawlersitte, täglich Weihnachtskuchen zum Kaffee zu reichen. Aber die Arbeit war hart und die Wachen lang. Im ersten Arbeitsschutzgesetz Islands von 1921 wurde eine Mindestruhezeit von sechs Stunden pro Tag für Hochseefischer festgelegt.
Dänische, isländische und englische Investoren hatten sich bereits um 1900 an der isländischen Trawlerfischerei versucht, allerdings ohne Erfolg. Erst mit dem Trawler „Coot“ in Hafnarfjörður (1905-1908) wurde es ein lohnendes Geschäft. Die Entwicklung schritt rasch voran. Doch Probleme bei der Beschaffung von Produktionsmitteln und der U-Boot-Krieg der Deutschen führten dazu, dass die Hälfte der Trawlerflotte, zehn Schiffe, 1917 außer Landes verkauft wurde.
Nach 1920 kamen neue und größere Trawler, die mit leistungsfähigeren Maschinen und Winden ausgestattet waren und in tieferen Fischgründen eingesetzt werden konnten.
Hingegen begann, kurz nachdem ab 1947 die neue Nachkriegstrawlergeneration Einzug gehalten hatte, ein schwieriges Kapitel in der isländischen Trawlerfischerei. Britische und deutsche Konkurrenz fischte erneut in isländischen Gewässern und die Fangmengen gingen zurück. Die isländischen Trawler wichen auf entferntere Fanggründe vor Grönland und Neufundland aus. Doch sinkende Erlöse erschwerten die Bemannung der Trawler. Nach 1965 wurde die Trawlerfischerei in den Westfjorden eingestellt. Die Epoche der Seitentrawler war zuende.
Die neuen Hecktrawler belieferten ganzjährig die Gefrierhäuser an Land, wo der Fisch für den Export in die USA, nach Großbritannien, Japan und in die Sowjetunion verarbeitet wurde. Die Westfjorde profitierten von ihrer Nähe zu ergiebigen Dorschgründen, doch im Zuge der bedrohlichen Dezimierung der Bestände wurde 1975 die Fangmenge begrenzt und 1983 das Quotensystem eingeführt. Gleichzeitig verlagerte sich die Fischverarbeitung zunehmend vom Land auf die Gefriertrawler.